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von Ewald Thoma am 24 Jul. 2010 15:48
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Bereits am 14.7.2010 habe ich den folgenden Leserbrief an die Redaktion der Stuttgarter Zeitung (in Stuttgart) geschrieben. Leider wurde er bis heute nicht veröffentlicht. Auch eine Pressemitteilung, die wir letzten Dienstag anlässlich des Besuchs von MdB Hermann bei uns an die LKZ übergeben haben, fand bisher keine Resonanz. Der Bericht in der LKZ über den Besuch am Donnerstag enthielt jedenfalls die in der PM erwähnten Themen nicht. Der Bericht war auch teilweise irreführend. MdB Hermann kam ursprünglich auf Einladung der AGVL nach Leonberg. Die anderen Themen kamen später ohne unser Zutun dazu. Irgendwie scheint das Thema Bahnlärm in der lokalen Presse nahezu ignoriert zu werden oder man sieht es vielleicht nur als Randthema. Dabei werde ich selbst ständig von Anliegern (und auch von eventuell künftigen Anliegern) auf die Problematik angesprochen. Die erwähnte PM wird in Kürze auf unsere Homepage eingestellt.
Hier der Wortlaut meines persönlichen Leserbriefes: Leserbrief zu dem Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 8.7.2010 “S-Bahn "Notfahrplan bis Ende der Sommerferien“ und Kommentar “Vorgeführt“
Wessen Interessen vertritt der Regionalverband?
Eigentlich ist dies eine überflüssige Frage. Schließlich ist der Regionalverband eine öffentliche Einrichtung und wird durch gewählte Volksvertreter gesteuert und kontrolliert. Also sollte er eigentlich alleine die Interessen der Bürger der Region Stuttgart vertreten. Aber wenn man die Bahnvorhaben betrachtet, bei denen die Region die Federführung hat oder wesentlich beteiligt ist , kommen ernsthafte Zweifel. Es sind ja nicht nur die in dem Artikel genannten völlig aus dem Ruder gelaufenen Projekte, die alleine schon zu Zweifeln führen – es gibt noch weitere Anhaltspunkte dafür, dass der Regionalverband fast schon zu einem Lobbyverband der Bahn AG geworden ist. Nehmen wir beispielsweise die Art der Finanzierung der S 60. Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Nahverkehrs finanziert und damit zu einem nicht unerheblichen Teil durch die Region und den Landkreis. Dabei dient der völlige Neubau der Strecke nicht nur dem S-Bahnverkehr sondern auch in großem Umfang dem (internationalen) Güterverkehr, dessen Finanzierung eigentlich alleine dem Bund oder der Bahn AG obliegt. So wird ganz nebenbei durch den Neubau der beiden Gleise das Problem des alten maroden Gütergleises mit seinen vielen Langsamfahrstellen gelöst – eigentlich die Aufgabe normaler Instandhaltung durch die Bahn AG. Auch der Lärmund Erschütterungsschutz muss auf die Güterzüge ausgelegt werden mit entsprechend höheren Kosten im Vergleich mit reinem S-Bahnbetrieb. Das Eisenbahnbundesamt hat zwar kürzlich den ganz offensichtlichen Auswüchsen bereits einen Riegel vorgeschoben (ein Stellwerk sollte auch gleich mit finanziert werden), aber es ist zu fragen, warum hier der Regionalverband als Auftraggeber nicht besser im Sinne der Bürger und Gemeinden verhandelt hat. Nehmen wir beispielweise die Ausschreibung des künftigen S-Bahnbetriebs der Region. Es gab es bei dieser Ausschreibung nur einen Bewerber – die Bahn AG. Warum ist es hier in der Region nicht möglich, eine Ausschreibung zu formulieren, bei der auch ein Wettbewerber eine reelle Chance hat? In anderen Regionen ist dies überhaupt kein Problem. Nehmen wir beispielsweise das Thema ’Schutz vor Bahnlärm’. Hier zieht sich regelmäßig der Regionalverband auf die für die betroffenen Anwohner völlig unzureichende Gesetzeslage zurück (zuletzt beispielsweise bei der Antwort auf eine diesbezügliche Anfrage der CDU-Fraktion im Regionalparlament). Im Klartext heißt dies dann, dass der Regionalverband keinerlei Handlungsbedarf sieht und die betroffenen Bürger im Regen stehen lässt. Dass es auch anders geht, sieht man in Südbaden. Dort setzt sich der Regionalverband Südlicher Oberrhein vehement für die Interessen der Bürger ein. Das geht dort so weit, dass der Regionalverband auf die Änderung der gesetzlichen Situation dringt, dazu einen eigenen Verordnungsentwurf veröffentlicht hat und schon den zweiten Schienenlärmkongress veranstaltet hat, um politischen Druck zu erzeugen. Egal, welches Vorhaben man betrachtet, eines zieht sich wie ein roter Faden durch: Die Bahn AG wird vom Regionalverband mit Samthandschuhen angefasst. Die Zeche zahlt der Bürger durch überhöhte Kosten und teilweise eklatanten zeitlichen Verzug ohne die geringsten Folgen für die Bahn AG. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Es liegt aber nahe, dass das in der Vergangenheit lange auf der Kippe stehende Projekt Stuttgart 21 eine Rolle gespielt hat. Man wollte wohl das Projekt nicht gefährden und ist der Bahn AG bei den Verträgen ständig entgegengekommen. Es wird höchste Zeit, dass sich das Regionalparlament mit diesen Vorgängen befasst. Statt Sitzungen mangels Inhalten abzusagen, sollte hier das Regionalparlament schleunigst seiner Kontrollfunktion nachkommen.
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